Mohamed-Schriftzug

Ich bin 18 Jahre alt und komme ursprünglich aus Syrien. Aber ich erinnere mich nicht mehr daran, weil ich klein war, als wir nach Libyen umgezogen sind. In Libyen habe ich neun Jahre lang mit meiner Familie in Tripolis, das ist die Hauptstadt von Libyen, gelebt. Ich habe drei Schwestern und vier Brüder. Wir hatten dort zwei Restaurants, und eines davon hat meinem großen Bruder und das andere mir gehört. In meinem Restaurant habe ich alles gemacht. Ich habe gekocht, gekellnert, gespült und Lebensmittel eingekauft. In dem Restaurant gab es arabische Pizza, Döner, Schnitzel, Hackfleisch-Sandwich, Salat mit Reis und vieles andere. Wie man kocht und ein Restaurant führt, habe ich davor alles von meinem Onkel gelernt. In meinem Restaurant habe ich vor allem in den Sommerferien gearbeitet, die waren in Libyen vier Monate lang. Die andere Zeit bin ich in die Schule gegangen. Ich bin dort bis zur neunten Klasse gegangen.
Einmal hatte ich vor den Sommerferien einen schweren Unfall. Ich bin mit meinem Fahrrad über einen Platz geflogen. Ein Mann hat mir dann geholfen und ein Taxi gerufen, weil in Libyen der Krankenwagen nie oder erst zwei Stunden später kommt. Das Taxi hat mich ins Krankenhaus gebracht. Dort wurden mir die Lippen und die Zunge genäht, alles war gespalten. Ich war zwei Monate lang krank. In der Zeit hat mein großer Bruder und mein Onkel das Restaurant weiter geführt.

Aber das war alles früher, als es in Libyen noch klare Regeln gab. Jetzt gibt es keine Regierung mehr. Deshalb sind wir nach Deutschland gekommen. Hier finde ich gut, dass es klare Regeln gibt, auf die man sich verlassen kann. Zum Beispiel darf man ein Auto erst ab 18 Jahre fahren. In Libyen kann man ohne Führerschein fahren, wenn der Vater findet, dass sein Kind fahren kann. Deshalb passieren auch jeden Tag Unfälle.
Auf der anderen Seite finde ich allerdings auch, dass das Leben hier ein wenig zu geordnet ist, und das eigentliche Leben manchmal zu kurz kommt. Ich mache hier beispielsweise viel häufiger das Gleiche. Ich gehe zur Schule, danach ins Fitnesscenter und treffe mich mit Freunden.

Am Anfang war mir hier vieles fremd. Zum Beispiel, dass man ein Ticket lösen muss, bevor man in den Bus steigt. In Libyen bezahlt man bar im Bus. Fremd war mir auch, dass unter der Woche ab 22 Uhr die Straßen ziemlich leer sind, weil alle in ihren Häusern sind.
Aber inzwischen finde ich mich hier ganz gut zurecht.
Wenn ich gut genug deutsch sprechen kann, möchte ich auf eine Berufsschule gehen und danach Automechaniker werden. Außerdem würde ich später gerne eine Familie mit drei Kindern und ein Haus haben.

 

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