Shevin-Schriftzug

IMG-20160624-WA0036Ich komme aus dem Nordosten von Syrien und bin eine Kurdin. Kurden gibt es in Syrien, Irak, Iran und der Türkei. Die Kurden sind eine ethnische Volksgrupppe mit eigener Sprache, aber ohne eigenes Land. Warum das so ist, ist sehr kompliziert und ich kann das nicht erklären.
Ich habe vier Geschwister, zwei Brüder und zwei Schwestern. Ich bin die Kleinste. Es ist schön, die Kleinste zu sein, weil die anderen immer nett zu mir sind und mich verwöhnen. In unserer Familie ist es egal, ob man ein Junge oder ein Mädchen ist, jeder wird gleich behandelt. Aber das ist in jeder Familie anders. In Syrien gibt es verschiedene Meinungen zu diesem Thema.
Weil es in Syrien Terroristen gibt, bin ich vor sechs Monaten mit meiner Familie nach Deutschland gekommen. Einmal waren IS-Kämpfer in unserem Dorf und wir haben alle sehr Angst gehabt. Aber weil wir gesagt haben, dass wir für keine Seite der verschiedenen Kämpfergruppen sind, sondern nur unsere Ruhe haben wollen, sind sie wieder abgezogen. Trotzdem war unser Leben in Syrien nicht mehr sicher. Deshalb sind wir in die Türkei geflohen und von dort mit dem Flugzeug nach Deutschland gekommen.
Es war schwierig für mich, mein Land zu verlassen. Ich vermisse meine Freunde. Bis auf eine Freundin sind alle in Syrien geblieben. Außerdem haben wir hier keine Ferien, wenn wir zu Hause unsere Feste feiern. In Syrien gibt es beispielsweise Bayram und Newroz.
Bayram ist das höchste islamische Fest. Es ist ein Opferfest, bei dem ein Schaf geschlachtet und an Freunde, Nachbarn, und auch an Arme verteilt wird. In Berlin schlachten wir natürlich kein Schaft. Hier gehen die Männer in die Moschee und wir treffen unsere Familie und Freunde. Wir essen sehr viele Süßigkeiten und traditionelle Speisen. Typisch ist auch, dass die Erwachsenen den Kindern Geld geben.
Newroz bedeutet „Neuer Tag“ und ist ein Frühlings- und Neujahrsfest. Newroz wird am astronomischen Frühlingsanfang gefeiert, also am 20. oder 21. März. In Berlin kommen bei Newroz alle Kurden zusammen, wir gehen gemeinsam in der Park und machen ein Picknick.

Bevor ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich gedacht, dass die Deutschen viele Kartoffeln essen. Andere Vorstellungen hatte ich eigentlich nicht von Deutschland. Es gefällt mir, dass Berlin so eine weltoffene Stadt ist. Ich fühle mich hier nicht fremd, denn über das Fernsehen und Internet kann ich sehr viel über die deutsche Kultur erfahren. Was mir hier nicht so gut gefällt, ist, dass die Schule so lange dauert und man nachmittags nur sehr wenig Zeit hat, andere Dinge zu tun. In Syrien hatte ich mehr Zeit, etwas mit der Familie oder mit meinen Freundinnen zu machen. Außerdem male ich in meiner Freizeit gerne oder spiele Volleyball.
Später möchte ich gerne Regisseurin werden und viele Filme machen. Außerdem möchte ich nach Brasilien fliegen. Brasilien ist ein sehr schönes Land. Meine Filme möchte ich aber auf türkisch machen. Denn ich möchte später auch in der Türkei leben.

Entstehung des Frühlingsfests Newroz

Über die Entstehung des Frühlingsfestes Newroz gibt es ein Märchen, das ich hier erzählen möchte:

Es war einmal ein böser König. Sein Name war Zahak. Der König und sein Land waren verdammt. Die Sonne hat nicht auf sein Land geschienen, weshalb die Pflanzen nicht gewachsen sind.
Der König hatte zwei Schlangen auf seinen Schultern und wenn die Schlangen hungrig waren, hatte der König große Schmerzen. Die Schlangen haben nur die Gehirne von Kindern gegessen, weshalb jeden Tag zwei Kinder sterben mussten. Ein Mann namens Kawa hatte 17 Kinder. Er war traurig, weil er bereits 16 Kinder an den König und seine Schlangen verloren hatte. Sein letztes Kind war ein Mädchen, und er wollte es unbedingt behalten. Deshalb hat er dem König ein Gehirn eines Schafes gegeben. Der König hat es nicht bemerkt, weshalb die Menschen gedacht haben, wenn Kawa ein Schafsgehirn geben kann, können wir es auch.
Dann haben die Leute ihre Kinder abends mit Kawa in die Berge geschickt, um sie zu verstecken. In den Bergen hat Kawa eine Armee gemacht und mit der Armee hat er das Schloss des Königs gestürmt. Kawa hat den König getötet. Er hat eine große Fackel angezündet und damit den Himmel erhellt. Am nächsten Morgen hat die Sonne wieder geschienen, die Dunkelheit und Kälte war vorbei, und ein neuer Tag ist angebrochen. (Newroz = Neuer Tag)

Es gibt verschiedene Versionen dieser Geschichte, aber ich habe es so kennen gelernt.

Zusammen leben

Wir können besser zusammen leben, wenn wir uns gegenseitig zuhören und die anderen verstehen. Wir sollten positiver aufeinander zugehen.

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