Was ist das?

Willkommensklassen sind Schulklassen, in denen zugewanderte Kinder und Jugendliche die deutsche Sprache lernen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die neuen Schüler_innen hier Asyl beantragen müssen oder bereits eine Aufenthaltsgenehmigung haben, sondern allein, wie gut die Kinder und Jugendlichen deutsch sprechen. In einer Willkommensklasse können deshalb beispielsweise Schüler_innen zwischen 12 und 18 Jahren mit völlig unterschiedlichem Bildungsniveau und Herkunft sein.
Ziel der Willkommensklassen ist es, die Schüler_innen schnellstmöglich und spätestens nach einem Jahr in den Regelklassen zu integrieren.

Eine präzisere Bezeichnung für Willkommensklasse ist „Sprachlern-“,  „Vorbereitungs-“ oder auch „Übergangsklasse“. Trotzdem wird der Begriff Willkommensklasse hier weiter beibehalten. Zum einen, weil die hier vorgestellten Schüler_innen ihre Klasse selbst so bezeichnen. Zum anderen, weil der Begriff ein Jahr nach seiner etwas unglücklichen Einführung (grundsätzlich sollten die Schüler_innen aller Klassen willkommen sein), durch die wachsende Zahl an Einheimischen, die die Zugewanderten als Bedrohung empfinden, immer wieder daran erinnert, dass die Schüler_innen gleichbleibend willkommen sind.

Unsere Forderungen für Willkommensklassen

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Aktuelle Situation:

In den Willkommensklassen kommen Schüler_innen aus verschiedene Nationen, Altersgruppen und mit unterschiedlichem Bildungsstand zusammen. Außerdem werden immer wieder neue Schüler_innen mit keinen oder sehr geringen deutschen Sprachkentnissen aufgenommen. Dabei werden die meisten Willkommensklassen nur von einer Lehrerin oder einem Lehrer geleitet. Das Lehren und gemeinsame Lernen ist deshalb äußerst schwierig. Hinzu kommt, dass selbst Schüler_innen, deren Sprachniveau gut genug für den normalen Schulunterricht wäre, oft nicht in den Regelklassen aufgenommen werden und sie nur stundenweise am Regelunterricht teilnehmen können. Auf diese Weise können sie weder richtigen Anschluss an den Schulstoff noch an ihre einheimischen Mitschüler_innen bekommen.

Aus dieser Situation heraus haben die Schülerinnen und Schüler der Willkommensklasse folgenden Forderungskatalog aufgestellt:

Unsere Forderungen:

1. Richtiger Fachunterricht in den Willkommensklassen

Viele von uns müssen viele Monate, ein Jahr oder sogar noch länger in den Willkommensklassen bleiben. In dieser Zeit lernen wir außer der deutschen Sprache nichts Neues und vergessen bereits Gelerntes, beispielsweise englische Vokabeln und Grammatik.

2. Nachhilfeunterricht in den Regelklassen

In unseren Heimatländern haben wir teilweise anderen Unterrichtsstoff gehabt oder Fächer anders gelernt als hier. Selbst wenn wir gut genug deutsch sprechen, haben wir deshalb in den Regelklassen Schwierigkeiten, mitzukommen.

3. Kultur- und religionswissenschaftlicher Unterricht für alle

Durch besseres Kennenlernen von anderen Kulturen und Religionen kann Toleranz gegenüber Menschen fremder Herkunft aufgebaut werden. Das betrifft nicht nur Klassen mit einheimischen Kindern und Jugendlichen, sondern auch die Schüler_innen der Willkommensklassen selbst, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft und Glaubensrichtungen aufeinander treffen.

4. Mehr Fachpersonal für die Willkommensklassen

Um die Punkte 1-3 umsetzen zu können, brauchen wir dringend mehr Fachpersonal.

5. Schnellere Aufnahme in die Regelklassen

Je schneller wir in die Regelklassen aufgenommen und integriert werden können, umso schneller können wir uns in der Gesellschaft integrieren.

6. Bessere Integration innerhalb der Schule

Die Schüler_innen der Willkommensklassen haben nur wenig Gelegenheit, einheimische Schüler_innen kennen zu lernen und innerhalb der Schule integriert zu werden. Speeddatings, Partys, gemeinsame Sport- oder Spielveranstaltungen würden uns helfen, besser integriert zu werden.

7. Erhalt einer unbefristete Aufenthaltsgenehmigung und keine Bedrohung durch Abschiebung für Schüler_innen

Ohne die sichere Erlaubnis, hier bleiben zu dürfen, ist es schwierig, zu lernen, sich zu integrieren, und einen Schulabschluss zu machen.